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Barcamp Vienna & meshed conference

Wie man meinem Twitter-Stream entnehmen konnte, war ich letzten Samstag auf dem Barcamp Wien und am darauffolgenden Mittwoch auf der meshed conference. Hier eine kurze Review und ein Vergleich von zwei Veranstaltungen, die man eigentlich nicht miteinander vergleichen kann.

Barcamp Vienna  #bcvie

Das Barcamp wurde in den hübsch modernen Räumlichkeiten von Microsoft Österreich abgehalten. Wir kamen rechtzeitig zum cool gemachten 3D-Gruppenfoto an.  Chris nutzte die Gelegenheit ebenfalls, um seinen Foto-Blog zu promoten, frei nach der Devise: Foto gegen Blog-Link, und machte von jedem, der es wünschte, ein Bild. Gute Idee, btw. 🙂

Nach der Mittagspause ging es weiter mit den Sessions. Ich habe zwei mitgemacht – „Coworking“ und „Fashion & Internet Revolution„, mal mehr, mal weniger interessant. Schön war es, Follower live zu sehen („Ach, DU bist das!“) und alte Bekannte vom Twittwoch wiederzutreffen (viele Grüße an dieser Stelle an den lieben Heinz).

Irgendwann kurz nach sechs hatte ich das Gefühl, dass sich die Veranstaltung mehr und mehr auflöste, so dass auch wir uns auf den Heimweg machten. Ein Lob an dieser Stelle an die Organisatoren, die Location war schön ausgesucht und es gab viele Nettigkeiten, die man nicht unbedingt für ein kostenloses Event erwarten darf (zB Tshirts & Catering).

Mein Eindruck?

Was ich an BarCamps mag, ist die Bereitwilligkeit, mit der Leute ihr Wissen teilen – kostenlos und ohne etwas dafür im Gegenzug zu erwarten. Ja, man kann natürlich auch im Netz über all jene Themen lesen, die einen interessieren, aber ohne Frage lernt man beim BarCamp gerade in Gesprächen mit anderen einiges über neue Startups und Tools, auf die man alleine nicht gekommen wäre, ein positiver Side-Effect und alleine deswegen schon den Besuch wert.

Der Nerd-Faktor ist bei einer solchen Veranstaltung natürlich sehr hoch – klar, Zielgruppe sind eben jene, die sich tagtäglich intensivst mit dem Web beschäftigen. Dass ich mich beim BarCamp und nicht bei einem Online-Marketing-Treffen befand, wurde mir spätestens in einer Diskussion über das Thema Coworking bewusst. Da ich sehr für das gemeinsame Arbeiten bin und darin viele spannende Möglichkeiten sehe, unterhielt mich mit einem der Teilnehmer über die verschiedenen Projekte. Auf die Frage, welches Geschäftsmodell seiner Ansicht nach am besten funktionieren könne, reagierte mein Gesprächspartner irritiert. „Warum willst du damit Geld verdienen?“. Ich war verdutzt.  Wie sollten sich die Kosten sonst tragen? Die Miete für das Gebäude, Strom, Internet, die Geschäftsausstattung…das alles bezahlt sich nicht von alleine und sicher auch nicht durch gemeinsame Projekte, wie er mir vermitteln wollte. Gespräche mit Investoren und meinem BWL-Prof haben mich gelehrt, dass hinter jedem Business ein Geschäftsmodell stehen sollte. Klar, an dieser Stelle könnte jetzt die Diskussion entstehen, dass Geld und Kreativität sich ausschlissen, dass sich solche Projekte auch durch Crowdfunding etc. tragen können. Ich als Kommunikations- und Multimediamanagementstudentin bin allerdings nicht so naiv (oder frei) zu glauben, dass ein Business ohne Geschäftsmodell und durch reine Nächstenliebe auf Dauer finanziert werden kann. Auch die Investoren hinter Twitter, das noch kein konkretes GF hat, wollen irgendwann Rendite sehen, sonst funktioniert die schönste Idee nicht. That´s life. Auf der meshed hätte ich die Diskussion sicher mit niemandem gehabt. Aber das ist ein anderes Thema. 😉

Zurück zum eigentlich BarCamp – je nach Session lernt man also mehr oder weniger dazu, kann selber teilnehmen, interagieren, kommunizieren. Letzteres jedoch kam nach meinem Geschmack beim #bcvie zu kurz.

Luca schreibt in seinem Blog über das BarCamp „Die meisten Leute kennen sich.“. Das stimmt – leider. Denn wo viele Menschen auf altbekannte treffen, ist nicht immer Platz für neues. Ich selbst bin relativ aktiv in der Webszene, twittere viel, habe eine mittelgroße Zahl an Followern und wage zu behaupten, dass mein Nick „yasmintee“ – zumindest in der Kölner Webszene – relativ bekannt ist. In Österreich jedoch sieht das anders aus – und die Nähe, die die anwesenden Teilnehmer zueinander haben, grenzt die anderen, neuen teilweise aus. Vielleicht lag es daran, dass wir wir zu spät kamen. Vielleicht lag es am hohen Nerdfaktor oder daran, dass mein Kirschchenkleid nicht geeky genug war. Vielleicht lag es auch an mir selbst. Dennoch, eine etwas offenere Atmosphäre hätte ich mir gewünscht. (Und ich hoffe, dass mir dies nicht als „deutsche Problemorierntierheit“ angedichtet wird;).

meshed conference #meshed2

Die Agentur netural hatte die meshed im Jahr zuvor in Linz in den Räumlichkeiten der ars electronica ausgerichtet, dieses Jahr sollte die Social Media Conference in Wien stattfinden. Vienna calling, yes indeed, und die Location war sehr vienna-like ausgesucht: die Aula der Wissenschaften, verwaltet von der Agentur koop, ist ein  sehr schönes altes Gebäude, das saniert und auf den neusten technischen STand gebracht, perfekt dazu geeignet ist,  als Konferenzräumlichkeit mit Stil herzuhalten.

Die meshed war (im Gegensatz zum Barcamp) nicht kostenlos, die Sprecher, die Caterer, die Organisatoren wollen bezahlt werden. Knapp 300 EUR kostete die Teilnahme, dafür gab es dann relativ bekannte Referenten, qualitativ hochwertige technische Standards und eben die tolle Location dazu. Man durfte gespannt sein. Eine Twitterwall gab es während der Konferenz nicht, was viele Teilnehmer dennoch nicht davon abhielt, fleissig rund zur #meshed2  zu twittern. Moderatorin war Lena Doppel.

# Liste der Referenten:

Erik Qualman – Autor des Buchs „Socialnomics“ & sehr bekannter amerikanischer Internet-Guru

Mark A.M. KramerDozent der Universitäten Hagenberg & Steyr, Teilnehmer des internationalen AR Consortiums

Nicole Simon – Autorin des Buchs „Twitter – Mit 140 Zeichen zum Web 2.0“ und bekannte deutsche Social Media-Beraterin

Hendrick Speck – Professor für Digitale Medien an der Universität Kaiserslautern

Björn Schäfers – Geschäftsführer des Social Commerce-Startups smatch.com, einer Otto-Tocher

David Roesler – Geschäftsführer von Projektkompetenz.eu und Unternehmensberater

# Vorträge

# Erik Qualman, extra den weiten Weg aus Cambridgte eingeflogen, hatte die Ehre, die Keynote zu halten. Qualman, sehr groß, sehr amerikanisch, sehr professionell, ließ erst einmal einige Videos für sich sprechen:

– Social Media Revolution

– Social Media ROI, ebenfalls aus dem Hause Socialnomics.

Ohne Zweifel sind die beiden Videos zum Thema Social Media extrem cool gemacht, sehr catchy & flashy. Allerdings sind sie auch nicht besonders neu, auch nicht für eine Audienz, die zu 90% aus Online-Marketern und zu 10% aus Web-Nerds bestand. Qualman erklärte, warum Social Media wichtig sei, warum es sich Firmen nicht erlauben könnten nicht mitzumachen und zeigte noch das „United Breaks Guitar“-Video. Also nichts neues für jene, die sich bereits mit Social Media auskennen. Nach einer Fragerunde war er dann auch wieder weg. Im Gedächnis blieb mir vor allem ein Ohrwurm aus dem ersten Video.

# Mark A.M. Kramer, der nächste Sprecher, zeigte in seiner Präsentation sehr viele spannende Beispiele aus der Welt des Augmented Reality.

Besonders interessant war „Fjords AR Concept“, das lt. Aussage von Herrn Kramer hoffentlich im Herbst gelauncht wird. Fjord ist ein Augmented-Reality-Browser, ähnlich wie Layer, aber (was man in dem kurzen Video gesehen hat), mit mehr Features wie zB die Anzeige von Freunden in der Nähe oder einer Wegbeschreibung, die absolut futuristisch aussieht. Man darf gespannt sein. Ich in es.

Andere Beispiele waren u.a. zugara.com, wo man die Kleidung aus dem Online-Shop virtuell am eigenen Körper probieren kann oder Snapshop, das es einem erlaubt, Möbel aus dem Online-Showroom via AR in die eigenen vier Wände „zu transportieren“.

Ein Bild aus seiner Präsenation zeigt 16 Geschäftsmodelle innerhalb von Augmented Reality auf:

16 Augmented Reality Business Models

(Quelle: http://www.flickr.com/photos/garyhayes/3917382293/sizes/o/)

Augmented reality ist sehr, sehr spannend – und dass die Zukunft des Internets u.a. im Bereich Mobile liegen wird, hat diese aufschlussreiche Präsenation wieder einmal bewiesen.

# Nicole Simon sprach über Social Media Basics – warum ein Unternehmen Social Media braucht. Ein Zitat: „Was kostet es ein Unternehmen, wenn es Social Media ignoriert? Was ist das Worst Case Szenario, das passieren kann? Wie reagieren wir darauf?“ Sie gab Tipps zur Erstellung einer Social Media Strategie und Social Media Richtlinien. Die Präsentation war für jene interessant, die Social Media in Unternehmen noch nicht oder nur versuchsweise anwenden. Auch für Social Media Experts war es teilweise interessant zuzuhören, da sie manche Dinge auf den Punkt brachte bzw. einige Themen ergänzte.

# Hendrick Specks Vortrag  habe ich ehrlicherweise leider größtenteils verpasst, da ich mit dem Verfassen einer Mail beschäftigt war. Multitaskingfähigkeit hat leider auch ihre Grenzen. Was ich mitbekommen habe war, dass Herr Speck es sehr gut verstand, die Menge aufmerksamer Hörer durch seine Art zu fesseln. Auch die Twitter-Menge fand ihn gut. Sobald seine Präsentation online ist, werde ich sie hier hochladen.

# Dr. Björn Schäfers, Geschäftsführer von smatch.com, trug eine Präsentation über Social Commerce vor und welche Vorteile Kunden und Händler davon haben. Einer davon ist zB, dass Händler & Designer (solange sie einen Online-Shop betreiben) ihre Ware kostenlos bei smatch.com einstellen können und erst im Falle eines Vekaufs eine Provision zahlen müssen. smatch.com ist relativ aktiv in sozialen Netzwerken wie studiVZ und facebook und versucht auch im Mobile-Markt Fuss zu fassen – ein weiterer Vorteil für die B2B-Händler, die von der Reichweite des Otto-Ablegers profitieren können.

# David Röthler referierte über Crowdsourcing und Crowdfunding – mit sehr vielen tagesaktuellen Beispielen. Er zeigte die ganze Bandbreite von Crowdsourcing/Crowdfunding auf – von der Möglichkeit, Spenden für ein Projekt zu sammeln, über Ideenfindung und Prozess-Outsourcing, bis hin zu alternativen Bezahlsymstem wie flattr oder kachingle, dem Facebook-Alternativprojekt diaspora oder Markenmonitoringdiensten wie brandtags.net – und vieles mehr.

Die Veranstalter der meshed haben die „best of twitter“ gesammelt – einsehbar hier.

Mein Eindruck?

Die Qualität der Vorträge insgesamt war gut, teilweise sogar sehr gut (mir persönlich hat die Präsentation über Augmented Reality am meisten gebracht). Die Frage ist natürlich, wer die Zielgruppe für eine solche Veranstaltung war. Barcamper und Menschen, die sich bereits mit Social Media auskennen, offensichtlich nicht, da zumeist nicht viel neues erzählt wurde und es weniger ums „social“ denn um „social media **marketing** ging. Für Marketer, die allerdings noch keinen oder wenig Plan von Social Media haben und eine Orientierungshilfe suchen, bot das Event einen relativ guten Einblick in die Möglichkeiten.

Die Moderatorin war sehr aktiv, kannte sich in den Themen aus und stellte oft gute Fragen an die Sprecher. Ausserdem kompensierte sie die fehlende Twitterwall ein wenig durch aktives Mitschreiben & Mitverfolgen der Tweets und gab Fragen aus dem Netz an die Sprecher weiter.

Die sicher bewusste Entscheidung, auf eine Twitterwall zu verzichten, kann ich insofern nachvollziehen, als dass sich sonst der Fokus der Zuhörerschaft vom Sprecher oft auf die Twitterwall hinter ihm richtet. Das Für und Wider kann man natürlich diskutieren und ist Geschmackssache. Die Diskussion bereichert haben die vielen Tweets auf jeden Fall, auch wenn alle anderen, die nicht parallel online waren, davon leider wenig mitbekommen haben. Da netural jedoch WLAN angeboten hat, stand es jedem frei, im Netz mitzudiskutieren.

Die Orga an sich war sehr gut, die große Videoleinwand zB fand ich sehr cool. Essenstechnisch wurde zwar auch eine große Menge angeboten, ein wenig mehr Variation im Angebot hätte ich mir aber gewünscht, es war alles ziemlich teiglastig.

Die Kommunikation untereinander hat mir auf der meshed besser gefallen als auf dem BarCamp. Der Unterschied lag daran, dass sich eben nicht alle kannten und eine teilweise geschlossene Gruppe bildeten, so kam man mit mehreren Leuten (auch welchen, die man nicht über Twitter kennt) einfacher ins Gespräch. Wir Twitterer haben uns natürlich gefunden, auch wenn es nicht immer so einfach war, das Gesicht dem jeweiligen Twitter-Avatur zuzuordnen („Wenn du es bist, stehe mal auf und winke.“)

# Fazit

Beide Veranstaltungen waren interessant und boten die Gelegenheit, sich auch zwischen den Vorträgen auszutauschen und Leute kennenzulernen. Obwohl beide Events rund um das Thema Internet und Social Media angesiedelt waren, ging es um komplett unterschiedliche Zielgruppen, das sollte man bei der Anmeldung und der damit einhergehenden persönlichen Erwartung nicht unberücksichtigt lassen. Beim BarCamp hätte ich mir ein wenig mehr Offenheit in der Kommunikation gewünscht, bei der meshed tiefergehende Vorträge.

Eine Vermischung beider Kulturen (BarCamper & Marketingmenschen) fände ich sehr interessant, allerdings müssten dann beide Gruppen an ihren Vorurteilen gegenüber arbeiten und versuchen, die Kommunikation des anderen zu verstehen. Mal sehen, ob es eine solche Veranstaltung geben kann.  Den Begriff „Nerd“ verstehe ich übrigens nicht negativ. 🙂

Andere Meinungen zur meshed & zum Barcamp:
Luca – Blog
Digitalks – Blog
Lisa Oberndorfer – Blog
Fotos der meshed auf facebook

Sollten welche fehlen, trage ich sie gerne nach, einfach melden.

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