Skinny Sixpack

Gestern war ich mal wieder im Sixpack im Köln unterwegs. Wenn ich den verrauchtesten Schuppen im Belgischen Viertel nennen müsste – sofort würde mir das Sixpack einfallen. Hinterher wünsche ich mir immer eine Dusche und frische Klamotten. Gut also, dass ich in der Nähe wohne und mich sofort umziehen kann. 😉
Trotzdem möchte ich das Sixpack als Ausgeh-Location nicht missen, denn hier (bzw. eigentlich mehr davor) habe ich besonders im Sommer viele coole Nächte verbracht und neue Leute kennengelernt.

Ich bin sehr gespannt, wie sie das Rauchverbot ab Mitte des Jahres in NRW umsetzen wollen. Den hinteren Raum absperren? Ui ui. Hinten, muss ich ja zugeben, finde ich es irgendwie gruselig. Im ziemlichen Dunkel liegen da Gestalten auf der Couch. Man kann sie kaum erkennen und ich glaube, sie bewegen sich auch eher langsam und nur, wenn sie müssen. Naja, dafür gibt´s hinten wahrscheinlich nie Randale. Ich hoffe aber mal, dass das dann nicht die Nichtraucher-Sektion wird.

Unerwartet viele Leute waren auch gestern früh unterwegs. Gegen elf uhr schon war der Laden recht voll und die Lampen kurz vor´m Angestupstwerden (Insider wissen, was ich meine).

Und da passierte es dann. Ich stand, ein bisschen zurechtgemacht, mit wilden Haaren, an der Bar und wartete auf mein Green Lemon, als sich ein Typ neben mir stellte.
Kein Problem, dachte ich, im Sixpack stehen ´ne Menge Jungs rum. Bis ich dann merkte, dass der Typ mich ziemlich lange und ziemlich böse ansah.

Ich überlegte, ob ich ihn kannte und er aus irgendeinen Grunde sauer auf mich sein könnte, verwarf das aber wieder. Erst dann fielen mir sein Haarschnitt und seine Kleidung auf. Das Innenfutter seiner Jacke zum Beispiel. Hatte ich beim ersten, kurzen Hinschauen gedacht, es sei eine Art Burberry-Style auf bunt, nahm ich beim erneuten Hinsehen einige Details deutlicher wahr – zum Beispiel die Glatzenfrisur und die Stiefel.

Oh oh!, dachte ich, da steht ein Skinhead neben dir und schaut dich böse an! Und dann – was macht der denn hier, hat er sich verlaufen?

Ich rückte ein wenig von ihm ab, während der Skinhead mich weiterhin gefühlte 2h anstierte. Mir war leicht unbehaglich zumute, während ich versuchte, völlig unbeeindruckt auszusehen. Die Bedienung (sehr hübsch, Ursprungsland Afrika) kam und brachte mein hippes Mixgetränk und sein langweilges Kölsch. Da fing er auf einmal an zu lachen, umarmte die Bedienung und gab mir einen Klaps auf die Schulter. „Na, reingefallen, was??“, dröhnte er. „Nicht jeder Skinhead ist rechts!“, belehrte er mich und meinte dann „Hab dich ganz schön erschreckt, was?? Keine Sorge, ist alles gut!“Anscheinend hatte mein Versuch, cool und gelassen aus der Wäsche zu blicken, ihn nicht beeindruckt.

Er hielt mir einen kurzen Vortrag über die rechte Skinheadszene in Berlin, der er liebend gerne und auch oft „auf´s Maul“ haue, er selber wäre aber überhaupt nicht rechts, sondern Berliner und das sei auch gut so! (Woran denken wir jetzt alle?) Und dann meinte er, er könne ja auch nichts für die Dummheit der anderen, wenn ihn alle für einen Rechten hielten. (Achso, tut mir leid, dass ich nicht alle 20 verschiedenen Skinhead-Szenen anhand von bestimmten Knoten im Schnürsenkel oder ausgesuchten Farben auseinanderhalten kann.)

Nach einem weiteren, freundschaftlich gemeinten Klapps machte er sich von dannen. Wahrscheinlich bringt er den Witz jeden Tag und lacht sich dann jedes Mal kaputt über die Gesichter. Ein Skinhead mit Humor! Sehr lustig.

Ich gebe zu – ich müsste lügen, würde ich behaupten, ich sei nicht erleichtert gewesen. Denn lieber ein Links-Skin mit fragwürdigem Sinn für Witze als ein Rechts-Skin, ob mit oder ohne Sinn für´s Lustige. Ich glaube, für jeden Ausländer ist´s echt der Alptraum schlechthin – eine Gruppe Skinheads, die drohenden Schrittes in einer U-Bahnstation oder so auf einen zukommen. Uha.

Und die ganzen Unterschiede bei der Skinhead-Szene werde ich mir trotzdem nicht merken! Finde ich auch echt albern und very eighties, politische Statements über seine Kleidung ausdrücken zu wollen. Jawohl.

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Eine Antwort zu “Skinny Sixpack

  1. yo, very achtziger und nicht unalbern.
    aber manchmal denke ich mir auch: straighter und nicht verlogen, wie bspw. die nationalen autonomen in hakenkreuz- und che guevara-kombi. damals war vieles halt noch um einiges einfacher zu erkennen – vermeintlich. damals[tm] 😉

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